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   3  Briefe  von der  100  Jäger  -  Division

 1) Brief vom Gefreiten Matthias B. - Angehöriger des dt. Verbindungs-
     stabes  bei FpNr. 42050 A =  Stab II verst.Kroat.Inf.Rgt. 369 -
     100 Jäger-Division   - geschrieben am 1.10.1942  an Familie B.W.

  R. den 1. 10 .42

  Meine lieben Freunde.Meine Versetzung zu dem deutschen Verbindungsstab der Kroaten bringt mich in ganz neue Situationen.Die Front ist von hier ca. 500 m entfernt.
Ihr könnt Euch nicht  vorstellen was sich hier in Stalingrad tut. Da wird ein Kampf gekämpft mit den schwersten und neuesten Waffen. Ich liege fast dauernd im Artilleriebeschuß.
Das pfeift und krachte an allen Enden. Viel gefährlicher (sind) ist die Stalinorgel, die auf einen Schlag 48 schwere Geschosse zugleich heraus- feuert und fast  einen qkm unter Feuer setzt. Ein Gegenstück haben wir in unserm „Bodenstukas“ .....
 

Stalingrad ist scheinbar nicht anders zu nehmen
als daß alles zusammen- geschossen wird.
Die meisten Häuser sind kaputt was nicht durch Voll- treffer zertrümmert ist, fällt um durch den Luftdruck.
Gestern sauste eine Bombe 5 m neben mir in die Erde.5 Pferde waren tot, ich lag noch näher. Die Brust hats mich schwer zusammen- gepreßt. In der Nacht davor ein Artillerieeinschlag fast neben dem Haus in dem ich schlief. Die Erde ist umgewühlt durch Trichter u. Einschläge. Die Soldaten graben sich nachts meistens in die Erde ein. Die Straßen voll von Bombentrichter.
Die Telegrafen- leitungen liegen abgebrochen und zerrissen an der Erde.

Ich sag Euch es ist keine Übertreibung wenn man sagt
“Die Hölle von Stalingrad“
Fürchterlich ein Greuel der Verwüstung. Bis
jetzt muß ich meinem Herrgott danken daß er mich heil durch all die Gefahren hindurch geführt hat.

Die Erde zittert unter den Schlägen die geführt werden. Es gibt viele Verwundete, viele Verluste .  Wenn das endlich mal ein Ende nähme.
Seid froh und glücklich daß Ihr mit so etwas nichts zu tun habt.
Wenn man abends über Stalingrad schaut, glaubt man alles ist am brennen. Und ist es dann dunkel, dann brummen auch schon die russ. Bomber, die nur nachts ....
 ... kommen. Tagsüber arbeiten unsere Stukas. Aber wie? Da wächst kein Kraut mehr.
Herr schenke uns den heiß ersehnten Frieden !
Ich lege Euch eine Paketmarke eine Zulassungsmarke zu einem kg Paket bei. Wenn ich mir wünschen darf, etwas Sacharin oder Süßstoff vielleicht auch mal eine Probe von Eurem welt- berühmten Honig.
Es geht mir bis heute noch gut.
Und wie geht es Euch? Ihr mit Arbeit über- belasteten              Leutchen. Überall Personalmangel.
Ich wünsche Euch alles Gute lebt wohl und bleibt recht gesund und munter und seid
herzlichst gegrüßt
von Eurem dank- baren Freund Matthias
seitlich
Wenn Ihr wollt könnt Ihr auch ein paar Zigaretten beilegen. Ich rauche jetzt.

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 2. Brief vom Gefreiten Matthias B. -Angehöriger des dt. Verbindungs-
     stabes  bei FpNr. 41457 A =  Stab I verst.Kroat.Inf.Rgt. 369 -
     100 Jäger-Division  - geschrieben am 4.11.1942  an Familie B.W.

  Stalingrad den 4. 11.

Meine lieben Freunde!
Nach dem Urlaub habe ich noch keine Post von Ihnen. Vielleicht kommt doch bald ein Lebens- zeichen . Wie gehts Euch denn noch ?
Ihr fühlt Euch hoffentlich  noch recht wohl in Eurem herrlich eingerichteten Heim .
Alles wäre so schön bei Euch wenn nur das schwere Kreuz der Arbeit nicht so hart auf Euern Schultern lasten würde. Hoffentlich kommen auch diesbezüglich bessere Zeiten für Euch. Ich grüße Euch herzlich und wünsche Euch alles Gute.
Viel Freude Glück und Gesundheit.

Ich habe jetzt in Stalingrad einen sehr erlebnisreichen Monat hinter mir, einen Monat mit tiefeinschneidenden Erlebnissen.
Unser Regiment hat noch eine Kampfstärke von 68 Mann.
In 4 Wochen haben wir über 800 Ausfälle an Verwundeteten und Gefallenen. Der Russe
wehrt sich mit einer nie dagewesenen Härte und Zähigkeit.
Jede Nacht kommt neuer Ersatz über die Wolga. Die Russen sitzen in eisenharten Bunkern hinter und unter Trümmern zusammen- geworfener Fabriken Einzelschützen Scharfschützen im dritten Stock.
Unsere Stukas und .....





 

unsere Artillerie haben
schon alles kurz und klein geschlagen und doch  Ein Erlebnis. Unser Truppen- verbandsplatz lag 1km hinter der Front. Abends kamen die Verpflegungs- fahrzeuge und die Fahr- zeuge , die die
Verwundeten zurück- bringen. Da brummt er schon der russ. Bomber und  schsch - ein Zischen - Bum  mitten hinein - 10 Pferde hin,
2 Kameraden tot
7 Schwerverletzt.
Am Abend des Allerheiligenfestes wieder - eine Bombe auf die Ecke des Hauses in dem ich drin war, -das Dach wie weggefegt
alle Fensterladen hin
20 cm dick lag Mörtel und Kalk auf unserem
Verbandstisch und die Bude  voll Rauch und Qualm und Splitter- gezisch. Und mir ist nichts passiert. Wie habe ich meinem Herrgott

gedankt. Glück und Gottes Schutz.
Ich habe jetzt neue Zulassungsmarken für ein kg Paket bekommen.
Ich schicke Euch 3.
Ich bräuchte etwas Briefpapier u. Briefumschläge, dann würde ich ganz gern den Benedikt`schen Honig kosten und sonst überlasse ich alles Euch. Im übrigen bin ich noch gesund und munter. Jetzt hatten wir 2 Tage Ruhe und heute abend geht es wieder in den Einsatz.
Sieg Heil !
Nun meine lieben Freunde  lebt wohl, bleibt froh und munter und seid herzlich gegrüßt von eurem dankbaren
Mathias .

 

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 3. Brief vom Gefreiten Matthias B. -Angehöriger des dt. Verbindungs-
     stabes  bei FpNr. 41457 A =  Stab I verst.Kroat.Inf.Rgt. 369 -
     100 Jäger-Division  - geschrieben am 19.11.1942  an Familie B.W.

 

 Fröhliche Weihnachten
            und ein
        Glückseliges
         Neues Jahr
    wünscht Euch Euer 
       Frontkämpfer in
           Stalingrad.

      St.den 19.11.42
 

   Mein lieber Walter!
 Liebe Frau Benedikt !

   Rasch und unaufhaltsam eilt die Zeit dahin.
Wieder ist ein Jahr vorbei wieder feiern wir das schöne Weihnachtsfest,  das Fest der Liebe und des Friedens.

Wie klingen diese Worte paradox, wenn man in einem Kampf ......
 

 

 

 

 

 

 

...drinsteckt der mit den stärksten Energien um Sein und Nichtsein geführt wird. Stalingrad ist nur noch ein Trümmerfeld, alles ist zerstört.1,5 Mill. Menschen sind ohne  Heim, sie sind arm und besitzen nur soviel als  sie mit sich tragen. Wieviel Menschenleben wieviel Blut ist für diese Stadt geflossen.
Sie ist ja in der Hauptsache genommen nur ein kleiner Streifen im Nordteil wird von den Russen hart- näckig verteidigt.
Die Soldaten leben alle in Bunkern.
Quartiere gibts nicht. Vielleicht fällt dieser letzte Rest auch bald.Ich bin nun seit dem 26.9.42 hier und habe mit eigenen ...

 

 


 

Augen diesen härtesten Kampf aus unmittelbarer Nähe miterlebt. Ein wahres „ Inferno“ eine Entfesselung wildester und stärkster Gewalten. Es ist wie ein Wunder, daß ich noch lebe .Gott sei Dank. Ihm allein habe ich es zu danken. Morgen werden wir abgelöst und wir gehen mit unserm Rgt. etwas zurück in Ruhe.Wie steht es denn bei Euch. Nach dem Urlaub habe ich noch kein Brieflein von Euch. Ja die viele Arbeit; es ist  ja wirklich viel , was von Euch verlangt wird. Ich hoffe, daß ich bald ein Lebenszeichen  von Euch bekomme.
Ihr geplagten Leutchen ! Was gibts denn
Neues ? 
Seid Ihr noch .....


munter und gesund ? Ich wünsche Euch alles Gute .Weihnacht, die vierte Kriegsweihnacht. Wie gerne würde ich auch W. daheim feiern. Wer weiß wie und wo hier .Vielleicht in einem Bunker! Ob ich das Glück habe einem Weihnachts- gottesdienst beizu- wohnen, weiß ich noch nicht. Dann denke ich an Euch und feiere Weihnachten im Geiste mit Euch gehe mit Euch zur Kirche esse und feiere mit Euch. Wie ist das schön.
Ja , in der Weihnachts- zeit sind meine Gedanken in der Heimat .Der Sohn Gottes das Christkind wohnt in meinem Herzen und ist Mensch geworden auch für mich und für alle Menschen.Ich wünsche Euch ein herzensfrohes

seiltlich Weihnachtsfest und viel Glück und Gottes Segen zum neuen Jahr. Mit den herzlichensten Grüßen bleibe ich Euer dankbarer Matthias .

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