Briefe vom Obergefreiten August Kerling
          Feldpostnummer: 
29517/c = 11.Batterie Artillerie Regiment 87
                 Die Einheit war der 113. Infanterie Division unterstellt.
        - Die Division / Einheit war am Nordrand des Kessels stationiert -
                                         nördlich von Rossoschka.
                                    Mit freundlicher Genehmigung von Renate Ahrens

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August Kerling
 geb. 12.3. 1919 - war bis zum Schluss Obergefreiter.
August stammt aus Erasbach bei Berching, Landkreis Neumarkt.

Er war nach der Volksschule Knecht in der Reismühle bei Pollanten bei Berching.

Meine Großmutter, geb. 10.7.1913, war zehn Jahre alt,
als die Mutter am 5.5.1923 starb.
Meine Großmutter hatte noch drei kleine Brüder, Franz, Otto und August.

Sie kümmerte sich um sie, und August war immer ihr Lieblingsbruder.
Der Vater war Schreinermeister,


 

    Brief von August an seine Schwester Fanny
geschrieben am: 8.8.1942
Stempeldatum: 11.8.1942


                                    Im Felde, 8.8.42
                                                                                      

Liebe Schwester,
habe eben wieder einen Brief von dir vom 17. Juli erhalten. Besten Dank, es geht mir soweit gut, bin auch bei bester Gesundheit, was ich auch von euch allen hoffe.
Hoffentlich wird das bei Vater nicht schlimmer mit dem Leistenbruch. Das wir rausgezogen werden aus dem Kampf, wird Wirklichkeit und zwar geschieht es heute Nacht. Wohin, ist uns allen unbekannt. Gegenwärtig liegen wir am Don - Bogen vor dem Don, der der nächste bei Stalingrad ist. Hier liegen wir jetzt schon zehn Tage in Verteidigung. Es war nicht allzu schlimm, nur ist es immer furchtbar heiß. Bin nur gespannt, wo es mit uns hingehen wird.
Hoffentlich haben wir jetzt längere Zeit Ruhe. Jetzt waren wir doch schon fünf Monate ununterbrochen im Einsatz.
Einstweilen die besten Grüße

Dein Bruder August
Extra Grüße an Paulerl und alle im Haus

 

 

 Brief von August an seine Schwester Fanny
geschrieben am: 24.8.1942
Stempeldatum:    30.8.1942
 

                            Im Felde, 24.8. 42 (Stalingrad)

Liebe Schwester,

habe eben deinen Brief durch Luftpost vom 11.8. mit großer Freude erhalten. Habe daraus ersehen, dass es der erste Brief nach fünf Wochen von mir war. Gegenwärtig habe ich etwas mehr Zeit zum Schreiben. Denn wir liegen noch in Verteidigungsstellung. Und zwar liegen wir immer noch im großen Don-Bogen. Wir liegen immer noch am Westufer des Don. Haben den Don noch nicht überschritten. Obwohl wir bei den ersten waren, die von dem Don kamen. Wir werden wahrscheinlich so lange bleiben, bis der Angriff auf Stalingrad losgehen wird. Es geht immer sehr lebhaft zu bei uns. Im Juli und August hat es schon ein wenig geregnet und es war immer sehr heiß. Mit der Ruhe war es natürlich nicht weit her. Hatten nur fünf Tage und dann ging es gleich wieder mit dem Exerzieren los, obwohl wir nur ein paar km hinter der Front lagen. Mein Auto ist nun ganz kaputt gegangen und ich habe noch kein anderes erbeutet. Vorerst bin ich nirgends eingeteilt und fahre nur so mit. Habe auch nicht viel zu tun. Unser Chef hat mir gesagt, ich soll mir beim nächsten Angriff wieder welches schnappen. Die russischen Autos taugen nicht viel. Die anderen Fahrer haben auch schon jeder das zweite Auto. Es ist hier auch nicht schlimm, wenn ein Auto nicht mehr geht. Bleibt es halt stehen, wenn man keine Zeit hat zum Reparieren. In der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen grüßt dich dein Bruder

August

Verzeih die schlechte Schrift

Extra Grüße an Paulerl und alle im Hause
Hätte bald vergessen, dir mitzuteilen, dass ich gestern auch drei Päckchen mit Kuchen und etwas Zucker erhalten habe. Besten Dank

 

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 25.8.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942

                                                                                             Felde, 25. Oktober
     

    Liebe Schwester,
     

will dir auch wieder ein paar Zeilen schreiben. Bin noch bei Stalingrad. Bin bei bester
Gesundheit, was ich auch von dir und von allen hoffe. Die vergangenen Wochen haben wir Winterstellung gebaut.
Prübl (?) von Darshofen ist jetzt nicht mehr bei mir, er ist mit seiner Kompanie 250 km mit dem Troß zurück gekommen. Habe auch vorläufig keine Verbindung mit ihm. Meinen Unterstand haben wir vergrößert und sind jetzt 3 Mann. Haben uns ganz gut für den Winter eingerichtet. Gestern habe ich mir einen Luftschacht gemacht.

Stroh… haben wir auch. Haben auch noch zwei Wolldecken bekommen (haben jetzt vier Stück), auch …. (?) und Kopfschützer haben wir erhalten. Der Unterstand ist sehr warm. Den Ofen habe ich aus einem alten Benzinkanister gemacht. Es kann also gar nicht so schlimm werden.

kleidung brauchst du mir keine schicken. Frieren brauche ich nicht. Mache dir also keine unnützen Sorgen, es wird schon wieder recht werden, auch dieser Winter geht wieder vorüber. Hoffentlich ist es der letzte Kriegswinter. Mit Urlaub rechne ich nicht vor Februar oder März.

Von Vater habe ich gestern Briefpapier erhalten.

Nun muss ich schließen in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in der Heimat.

Es grüßt dich herzlichst aus der Ferne

Dein Bruder
August

Beste Grüße an Paulerl und alle im Hause!

 

 

 Brief von Fanny an Ihren Bruder August
geschrieben am: 25.10.1942
Stempeldatum:  ?         .1942
unzustellbar zurück  - Der Brief  konnte nicht mehr zugestellt werden!

(Hans war Fannys Mann, er war in Russland, Otto ihr Bruder, er starb in Polen. Franzl ist ihr Schwager, der Bruder von Hans, er war dann auch vermisst. Lutter Berta war Fannys Nachbarin, sie heiratete nie)

                                                                                                
                                                                                                   
      Deining, 25. Okt. 42
 

Lieber Bruder August !

Gestern erhielt ich zu meiner größten Freude Dein lb. Feldpostbrieflein durch Luftpost vom
12. Okt, recht herzlichen Dank, da bin ich nun herzlich froh, dass auch einmal die Post früher ankam. Wie ich nun aus Deinen lb. Zeilen entnehmen konnte, geht es dir gesundheitlich noch gut, was ich dir auch weiterhin wünsche. Du hast nun wohl wieder so allerhand miterlebt, war sehr erstaunt darüber, wenn du die Handschuhe erhieltest, werde ich sie dir schon gut aufheben. Ich habe mir ja inzwischen viel Sorgen um dich gemacht, denn wenn es oft so lange dauert, bis man Post bekommt, da gibt man schon manchmal die Hoffnung auf.

Nun, lb. Bruder, konnte ich auch aus Deinen lb. Zeilen entnehmen, dass es bei euch Urlaub gibt, hoffentlich kommst auch du bald an die Reihe, denn da würde ich mich ja ganz riesig freuen, wir würden uns ja so vieles erzählen.

Mit diesem Brief sende ich auch wieder 3 kl. Päckchen an Dich ab, werde nun so oft es geht, welche abschicken, vielleicht bekommst du bald wieder Zulassungsmarken, dass man mehr schicken kann, habe ja in letzter Zeit nicht so viel Päckchen an dich abgeschickt, denn wenn man immer keine Nachricht erhält, dann verdrießt einen alles, ich werde aber bestrebt sein, alles nachzuholen.
Von Hans habe ich die letzte Nachricht vom 9. Okt., sie müssen auch immer Bunker bauen u. hat auch immer wenig Zeit zum Schreiben, er schrieb mir schon immer, dass er noch heuer in Urlaub kommt, hoffentlich stimmt es auch, man darf sich da ja nicht zu viel freuen, sonst wird es meistens anders.
Otto schreibt mir sehr oft, Du würdest wohl staunen, lb. Bruder, wenn du Otto einmal sehen würdest, wie gut er sich als Soldat gemacht hat.
Von Erasbach war schon länger keiner mehr da. Franz wird wohl jetzt immer zur Jagd gehen und Vater ist der Weg immer zu weit.
Unsere Paula muss nun jeden Tag zur Schule, da ist sie nicht sehr erfreut darüber. Sonst ist bei uns alles beim alten, unser Franzl ist auch noch bei Stalingrad, vielleicht kannst du ihn einmal treffen.
Will nun für heute schließen in der Hoffnung, dass es ein baldiges Wiedersehen gibt, mit recht vielen Grüßen bleibe ich

Deine dich nie vergessende

Schwester Fanny und Paula sowie alle im Hause.
Auch von Lutter Berta soll ich Dir einen Gruß schreiben
(da wirst du dich wohl freuen.)

Bist du mit dem Preßl aus Darshofen  noch beisammen? Vielleicht kann dieser früher in Urlaub, dann würde ich ihm was für Dich mitgeben, ich würde es dann selbst nach Darshofen bringen.

 

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 26.10.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942
     

                                                                                            Im Felde, 26. Oktober 1942

Liebe Schwester,

will dir schnell wieder ein paar Zeilen schreiben. Bin bei bester Gesundheit, was ich auch von euch allen hoffe. Bin noch bei Stalingrad, haben gegenwärtig wieder schönes Wetter. Vorige Woche hatten wir ein paar Tage Regen, mit der Kälte ist es noch nicht allzu schlimm. Wenn wir in dieser Stellung bleiben können, wird es zum Aushalten sein, haben uns ganz gut eingerichtet. Habe eben auch ein Päckchen mit Zucker von dir erhalten. Besten Dank. Von Obermänzing habe ich das kg-Päckchen noch nicht erhalten. Warte schon alle Tage darauf. Bin schon gespannt, was sie mir schicken. Werde es dir gleich mitteilen, sobald ich es erhalten habe. Einstweilen die besten Grüße

Dein Bruder August

Extra Grüße an Paulerl und alle im Hause

 

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 05.11.1942
    Stempeldatum:   06.11.1942
     

                                                    Im Felde, 5. November 1942
     

Liebe Schwester,

habe gestern zwei Päckchen mit Kuchen erhalten. Besten Dank. In meinem letzten Brief habe ich dir von der Versetzung geschrieben. Der Brief war vom 31. Oktober, wirst ihn vielleicht noch gar nicht erhalten haben, da er nicht Luftpost war. Ich sollte zur Infanterie oder Sturmartillerie kommen. Es scheint nun doch nicht darauf zu rechnen. Vor drei Tagen wurden welche zur Infanterie versetzt, war aber nicht dabei. Vorläufig sollen noch …(?) weg kommen. Vielleicht habe ich Glück, dass ich nicht weg …(?). Meine anderen Kameraden, die auch nicht weg kommen sollten und noch hier sind, lassen jetzt doch die Päckchen schicken und zwar mit der Aufschrift „Wenn unzustellbar, an Absender zurück“. Ich habe mich erkundigt und erfahren, dass dann im Falle meiner Versetzung die Päckchen zurück gehen. Es ist zwar alles eine sehr unklare Sache, weiß wirklich nicht, wie ich dran bin.
Ich habe mir so gewünscht, dass du das doch mit den Päckchen … (?).  Vielleicht habe ich Glück, dass ich Weihnachten doch ein Päckchen bekomme. Mit den anderen…(?)
Kannst doch Päckchen auch mit der Aufschrift, die ich erwähnt habe, verschicken, vielleicht geht es dann auch im Falle unzustellbar zurück. Hoffe nun, dass aus der ganzen … (?) nichts wird, denn beim alten …(?) ist es immer am schönsten.

Einstweilen die besten Grüße

Dein Bruder

August

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 07.12.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942

 

                                                                                                                            7.12.42

Liebe Schwester,

im Felde, Dezember 42

habe nun endlich so viel Zeit, dir ein paar Zeilen zu schreiben. Kann zwar den Brief noch nicht aufgeben, da ich noch keine Luftpostmarke habe. Können nur Luftpost schreiben. Wann dich dieser Brief erreicht, weiß ich nicht. Auf jeden Fall gibst du Vater Bescheid. Bin zwar noch bei bester Gesundheit, doch kann ich das nicht schreiben, wie es uns geht und welcher Lage wir und befinden. Leider sind die schönen Träume vom Urlaub ins Wasser gefallen.

Was sich hier in Stalingrad abspielt, wirst du auch durch das Radio erfahren haben. Die Kämpfe hier haben ihren Höhepunkt erreicht. Wie sie ausgehen, kann ich dir nicht mitteilen. Hoffentlich kann ich bis Weihnachten zu meiner Einheit zurück. Bin nämlich schon seit 14 Tagen als
MG-Schütze bei der Infanterie - Kompanie. Wenn das bis dahin noch nicht der Fall sein sollte, dass ich also noch bei der Infanterie sein sollte, wird es mein trostlosestes Weihnachten sein, das ich je erlebt habe. Wenn du mich so sehen könntest, würdest du mich nicht erkennen. Habe sehr viel abgenommen. Können uns nicht waschen und rasieren. Hoffentlich wird die Verpflegung bald wieder zur vollen Ration, wir können sonst bald nicht mehr laufen. Kurz bevor es hier los ging, habe ich noch ein Kilo-Päckchen und mehrere 100 Gramm-Päckchen erhalten. Seit 14 Tagen haben wir keine Post erhalten. Wirst daraus entnehmen, in welcher Lage wir uns befinden. Hoffentlich kannst du die schlechte Schrift entziffern. In dem Loch, da wo ich hier sitze, kann nur sehr wenig Luft herein. Auch kann ich nur mein Knie als Schreibtisch verwenden. Jeder kann von einem Glück sagen, der nicht krank oder verwundet wird, es kann keiner abtransportiert werden. Mir geht es gut, bin riesig froh. Das alte Jahr geht seinem Ende entgegen, hoffentlich bringt das neue nicht so viel zum Mitmachen. Im Urlaub gibt es viel zu erzählen. Es ist nun nicht mehr so kalt. Es wird schon wieder alles gut werden.

Zum Schluss wünsche ich dir und allen ein recht frohes Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr. Wann ich wieder schreiben kann, weiß ich nicht. Mache dir aber keine unnützen Sorgen, wenn du mal länger keine Post bekommst.

Es grüßt dich recht herzlich

August

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 09.12.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942
     

                                                                                                               Im Felde, 9.12.1942
     

    Liebe Schwester,

will dir ganz kurz ein Lebenszeichen senden. Zeit ist sehr knapp. Bin gesund, was ich auch von euch allen hoffe. Habe immer sehr großen Hunger. Schick mir von den restlichen Marken noch die Päckchen ab, womit ich gleich was zu essen habe. Wann die Sache hier wieder in Ordnung ist, es wird wahrscheinlich nicht mehr lang dauern. Es kann jetzt auch gewöhnliche Feldpost geschrieben werden. Auch erhalten wir jetzt Briefpost. Schreibe mir gleich, ob du den Brief erhalten hast und den vom 7.12.. Nun muss ich schließen in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. Wünsch euch allen recht frohe Weihnachten und ein recht glückliches Neujahr.
Für heute die herzlichsten Grüße

Dein Bruder August

 

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 12.12.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942
     

                                                                                             12.12. 1942  (Stalingrad)

Liebe Schwester,

habe nun heute deinen Brief vom 17.11. mit größter Freude erhalten. Bin immer noch als
Mg - Schütze bei der Infanterie. Die Lage scheint sich gebessert zu haben, da wir nun auch gewöhnliche Post erhalten. Päckchen gibt es noch keine, hoffentlich kommen diese auch bald. Am 24.11. wurden wir von der Luft aus abge…(?) und haben kurz vorm Abmarsch noch die letzte Post erhalten. Hatte da noch großes Glück, bekam nämlich noch 1 kg-Päckchen und mehrere 100 Gramm - Päckchen von dir. Kannst dir gar nicht vorstellen, was das für eine Freude war, da ja die Verpflegung schon gekürzt war. Es sind nun 21 Tage, dass wir eingeschlossen sind. Es wird Zeit, dass es wieder anders wird. – Am 13.12. soll es wieder Verpflegung geben, hoffentlich stimmt’s. Diese Kompanie ist aus lauter Artilleristen zusammen gestellt und wird wieder aufgelöst, so bald es wieder Ordnung gibt. Hatten leider auch schon ein paar Gefallene, so lange wir hier sind. Wir liegen an der nördlichen Abriegelungsfront von Stalingrad. Hätten es hier noch ganz gut, da wir noch in den aufgebauten Stellungen sind, im Gegensatz zu denen, die die Front rückwärts noch zu halten haben. Dort fehlen größtenteils die Stellungen. Was das jetzt im Winter bedeutet, kannst du dir ja vorstellen. Den russischen Winter kann sich nur der vorstellen, der ihn zu spüren bekommt. Wenn auch unsere Unterstände klein sind, so ist man doch von Wind und Wetter geschützt.

Wenn du uns hier sehen würdest, du würdest dich wundern, dass man das aushalten kann. Seit drei Wochen nicht gewaschen und rasiert. Essen sehr knapp, dazu die Läuse, das bleibt ein Kapitel für sich in der Kriegsgeschichte. Ich muss mich nur wundern, dass es alle so gut aushalten. Ich war zu Hause öfters noch ein bisschen krank, aber hier fehlt mir gar nichts, weiß der Teufel. Trotz der fehlenden Verpflegung. Mancher hat es nicht ausgehalten, von dem man es nicht gedacht hätte. Dieses Weihnachten werde ich nicht vergessen, feiern es halt im Schützengraben, 100 Meter vom Feind entfernt. Was dass für eine Stimmung sein soll, kann ich mir nicht vorstellen. Werde dir berichten, Briefpost ist frei, kannst also auch gewöhnliche Briefe schreiben. Nun muss ich aufhören, denn die Zeit zum Postenablösen rückt näher.

Dein dich nie vergessender Bruder

August

Fröhliche Weihnachten und ein gutes Neues Jahr

 

     Brief von August an seinen Vater
    geschrieben am: 12.12.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942
     

                                                                                      Im Felde, 12. Dezember 1942

Lieber Vater,

will dir auch schnell wieder ein paar Zeilen schreiben. Bin noch bei bester Gesundheit, was ich auch von euch allen hoffe. Bin noch als Infanterist eingesetzt, liegen an der nördlichen Abriegelungsfront von Stalingrad. Es sind nun schon 21 Tage, dass wir eingeschlossen sind. Hoffentlich werden wir bald befreit. Die Lage scheint sich schon gebessert zu haben, da jetzt auch gewöhnliche Feldpost befördert wird. Kannst jetzt also auch gewöhnliche Briefe schreiben, brauchen nicht immer Luftpostbriefe sein. Verpflegung soll es ab 15. Dezember auch wieder mehr geben. Hoffentlich stimmt es auch. Weihnachten werde ich heuer also im Schützengraben, 100 Meter vom Feind entfernt feiern. Was das für eine Stimmung sein wird, kann ich mir selber nicht vorstellen. Werde dir darüber schreiben. In unserem Abschnitt steht die Front noch. Haben das Glück, noch in den ausgebauten Stellungen zu sein. Da ist es auch einigermaßen vor Wind und Wetter geschützt. Hoffentlich bringt das neue Jahr etwas Besseres als das alte und hoffentlich wird dann auch bald Schluss mit dem Krieg. Nun muss ich schließen, denn die Beleuchtung ist so schlecht, dass ich kaum schreiben kann.

Es grüßt euch alle

August

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 14.12.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942
     

                                                                                         Im Felde, 14. Dezember 1942

Liebe Schwester,

will euch nur ein paar Zeilen als Lebenszeichen senden. Bin noch gesund, was ich auch von euch allen hoffe. Die Lage ist bei uns immer noch die alte, viel Hunger und nichts zu essen. Hoffentlich kommen doch bald die Päckchen an. Es ist bald nicht mehr zum Aushalten. Post geht soweit auch jetzt …(?). Auch sind bereits die ersten Weihnachtspäckchen für die Kompanie eingetroffen. Vielleicht wird es doch bald besser. Nun schließe ich und sende die besten Grüße aus weiter Ferne.

Dein Bruder

August

 

 

     Brief von August an seinen Vater
    geschrieben am: 14.12.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942
     

                                                                            Im Felde, 14.12.42

    Lieber Vater,

habe nun etwas Zeit, will dir deshalb auch gleich wieder ein paar  Zeilen schreiben. Bin soweit noch gesund, was ich auch von euch hoffe. Bin immer noch bei der aufgestellten Infanterie-Kompanie. Es geht uns hier sehr schlecht. Zu essen gibt es nur einmal am Tag und da nicht genug. Dabei nur 200 Gramm Brot. Habe noch nie in meinem Leben so Hunger ausstehen müssen als jetzt hier. Wenn es nur ein paar Tage gewesen wären, so wäre es nicht weiter
schlimm, aber es dauert jetzt schon drei Wochen. Wie lange die Sache noch so weitergehen wird, weiß ich nicht. Hoffentlich gibt es bald wieder ordentlich zu essen. Briefpost geht jetzt auch wieder durch, auch sind bereits einige Weihnachtspäckchen für die Kompanie angekommen. Schicke doch so bald wie es geht die restlichen Päckchen ab. Und wenn es nur Brot ist. Jetzt bei der Kälte hier ist es doppelt schwer, nichts zu essen zu haben. Ich mag gar nicht daran denken, dass in zehn Tagen Weihnachten ist. Es wird mein traurigstes Weihnachten werden, das ich je erlebt habe. Müssen es halt im Schützengraben 100 Meter vom Feind entfernt feiern. Ich glaube kaum, dass bis dort eine Besserung eintritt. Die Adresse bleibt bei mir die alte, da ich ja sowieso wieder zu meiner alten Einheit zurück komme, sobald die Sache hier in Ordnung ist. Post habe ich von euch schon vier Wochen keine mehr erhalten, auch noch kein Kilo - Päckchen. Von Fanny habe ich vor zwei Tagen einen Brief erhalten. Sie schreibt, dass ihr viel Arbeit habt. Nun muss ich schließen in der Hoffnung auf ein baldiges und gesundes Wiedersehen in der Heimat.

Es grüßt euch alle dein Sohn

August

 

     Brief von August an seine Schwester Fanny
    geschrieben am: 2512..1942
    Stempeldatum:     ?    .1942
     

Vorletzter Brief von August Kerling

(geb. 12.3. 1919) aus Stalingrad, zwei Tage später galt er als vermisst.

 

                                                                                                   Im Felde, 25.12.42

Liebe Schwester,

will dir nun gleich zu Beginn meines Schreibens für dein liebes Brieflein vom 12.11., das ich schon vor 6 Tagen erhalten habe, herzlichst danken. Leider kam ich nicht gleich zum Schreiben, hatten nämlich in der Zwischenzeit Stellungswechsel. Sind ein paar km der Seite nach verschoben worden. Es ist hier ja auch nicht anders.
So wenig Zeit und Gelegenheit hier zum Schreiben überhaupt ist, so ungern greife ich gerade am heutigen Tage zu Papier und Bleistift. Bei euch zu Hause ist der 25. Dezember, wie bei uns hier. Ihr zu Hause feiert heute Weihnachten. Ja, Weihnachten sollte auch für uns Soldaten hier sein. Aber wie es bei uns hier damit aussieht, darüber möchte ich meinem Herzen etwas Luft machen. Habe deshalb trotzdem zum Papier gegriffen, es fällt mir schwer, darüber überhaupt zu schreiben, denn du wirst es auch nicht verstehen noch begreifen oder dir darüber ein Bild machen können, wie es hier in Wirklichkeit aussieht.
Wenn du diesen Brief erhältst, so schweige fremden Leuten gegenüber, hebe ihn mir aber auf, damit ich mir später einmal, wenn es mir mal besser gehen sollte, einen Vergleich stellen kann.
Seit einem guten Monat sind wir nun eingeschlossen. Seit der Zeit nur halbe Verpflegung,
Brot ist noch knapper. Wir hoffen nun die ganze Zeit sehr, dass es wenigstens für Weihnachten besser würde. Aber leider haben wir wenig davon gemerkt.
Meine Gruppe sind sechs Mann, als Behausung haben wir einen kleinen Unterstand in der weiten, unendlichen russischen Steppe. Tag und Nacht ein und dasselbe Bild, ein und derselbe Gang, ein und dieselbe Beschäftigung. Der einzige Gang ist der vom Unterstand durch den Laufgraben zum Schützengraben und Maschinengewehr zur Postenablösung. Das ist unsere Beschäftigung bei Tag und Nacht, dabei siehst du nichts anderes als die verschneite russische Steppe und vor einem die feindlichen Stellungen.
Nun will ich mit dem heiligen Abend beginnen und etwas ausführlicher darüber berichten, wie wir Weihnachten verbringen. Von 6 bis 7 Uhr früh mein erster Posten am M.G. (Maschinengewehr). Es richtet sich zu schneien ein und ist bis Mittag zum Schneesturm gewachsen. Wir haben alle Hände voll zu tun, unsere Schützengräben vom Schnee freizuschaufeln. Zu essen gibt es ja bei Tag nichts, da ja niemand bei Tag das Essen herbringen kann. Wenn wir nun in den wachfreien Stunden im Unterstand beisammen sitzen, geht die Frage um, was wird es heute Nacht in der Christnacht zu essen geben? Jeder hofft, dass es wenigstens mal ein ganzes Brot geben würde und vielleicht ein anständiges Mittagessen. Voll Hunger warten wir, bis es Nachmittag 3 Uhr wird, da ist es nämlich bei uns schon Nacht und da kommt gewöhnlich das Essen. Ich bin gerade zu der Zeit wachfrei und gehe Essen holen, als es soweit ist, aber wie ich schon befürchtet habe, hat das Essensschlittchen wegen dem Schneesturm Verspätung. Es wird 6 Uhr, bis es ankommt, und muss volle drei Stunden im Schneesturm warten und frieren. Ich hoffe wie alle Kameraden auf Post, vor allem auf Päckchen. Nun muss ich gleich sehen, was es gibt. Eine Frage an den Fahrer: Hast du Post? Als Antwort das Furchtbarste, was du dir denken kannst: „nein.“ Alle hofften, dass wenigstens ein paar Päckchen ankommen könnten, die wir dann an Weihnachten als Überraschung erhalten. Aber leider habe ich schon keine Hoffnung mehr auf gutes Essen. Es ist nun auch so, es gibt Linsensuppe mit Pferdefleisch drin, wie alle Tage. Rindfleisch oder Schweinfleisch kennen wir schon lange nicht mehr in der Suppe. Das Essen ist natürlich nicht nur kalt, sondern fast gefroren, bis wir es hatten. Es muss nun erst im Unterstand gewärmt werden, dabei muss mit Holz sehr sparsam umgegangen werden. Ich habe nun auch gleich gar nicht Zeit zum Essen, muss erst noch eine Stunde Posten schieben.

Es ist nun inzwischen acht Uhr Abend, bin natürlich die ganze Stunde, nein, jede Minute am Tage mit den Gedanken bei euch zu Hause in der warmen Stube unterm Weihnachtsbaum. Ich wollte nichts, gar nichts, keine Leckerein, kein Gemüse, wenn ich nur ein ganzes Brot hier hätte, dass ich mich wenigstens mal satt essen könnte. Nach der Stunde Posten esse ich mit solchem Appetit die Suppe, als ob es das beste Festessen wäre.

Also das war nun Bescherung Nummer eins. Nun warten wir auf das eigentliche Abendessen, das als Mittagessen für den Christtag, also für heute gelten soll. Dieses Essen ist in der Regel Büchsenfleisch und kommt in der Früh um drei Uhr an. Also heißt es noch warten. Von 12 bis ein Uhr nachts stehe ich wieder auf Posten, komm natürlich von dem Gedanken nicht los, dass nun in der Heimat die Weihnachtsglocken erklingen, und ich lausche in die Nacht hinein. Aber leider ist nichts zu hören als das Aufpeitschen einiger Gewehrschüsse. Das ist natürlich der krasseste Gegensatz zu dem was ich zu hören glaubte. Ich wollte das friedliche Klingen der Weihnachtsglocken vernehmen, aber der Krieg mit seinen Grausamkeiten lässt es nicht zu.

Um drei Uhr früh wieder auf Posten. Das Essen holt also diesmal ein anderer. Was wird er bringen? So geht es mir durch den Kopf, vielleicht doch ein ganzes Brot pro Mann als Weihnachtsgeschenk, vielleicht doch noch Post, aber da glaubte ich schon an ein Wunder, wenn es sein sollte. Einmal war ich schon enttäuscht. – Endlich ist es so weit, er teilt aus, aber o Schreck, nicht ein Mann ein Brot, sondern fünf Mann ein Brot. Die Brotauflage besteht aus ganzen fünf Ölsardinen, die so groß sind wie mein Finger, und 20 Gramm Butter. Also auch an Weihnachten halbe Verpflegung. Als Zulage oder Weihnachtsgeschenk, wie man es nennen soll, erhält jeder Mann noch eine Rippe Schokolade und eine Rolle Drops und drei Zigaretten, also doch etwas. Es gibt auch noch eine Feldflasche voll gefärbtes Wasser, das den Kaffee darstellen soll. Das alles muss nun reichen bis heute Abend drei Uhr, bis es wieder Linsen und Pferdefleisch gibt. So geht es uns nun schon ein ganzes Monat, ein ganzes Monat hofften wir uns wenigstens an Weihnachten satt essen zu können, aber leider. Post war natürlich auch wieder keine dabei. Das ist noch das Allerschlimmste, nicht einmal ein lieber Gruß von den Angehörigen in der Heimat. Wenn nur wenigstens die Päckchen gekommen wären, die du dir, liebe Schwester, vom Mund sparst, um mir eine Freude zu machen. Aber leider, leider.

So hast du nun einen kleinen Überblick über unsere Weihnachtsfreuden. Dabei habe ich aber die Unbilden der Witterung nicht geschildert. Es ist jetzt genau 11 Uhr Christtag Vormittag und der Schneesturm tobt noch seit gestern Morgen. Was das heißt, trotzdem Tag und Nacht alle zwei Stunden vorm Maschinengewehr stehen zu müssen, ohne richtigen Schlaf, voll Hunger, nur mit der Hoffnung, dass möglichst bald wieder Besserung eintritt und ich bald wieder zu meiner alten Einheit zurück komme. Dort gibt es zwar auch nur halbe Verpflegung, aber es ist meine alte Einheit und als solche hat sie immer etwas Vorrat, was bei einer frisch aufgestellten Einheit nicht der Fall sein kann. Das heißt, wenn ich mal wieder bei meiner alten Batterie bin, so ist auch der Ring um uns wieder gesprengt und es geht alles wieder geregelt. - - In der Hoffnung, dass dieses Weihnachten, das traurigste in meinem Leben, auch das  letzte Kriegsweihnachten sein wird, schließe ich mein Schreiben.

Mache dir, liebe Schwester, nur ja keine unnützen Sorgen, es wird deswegen auch nicht anders. Ich lass trotzdem den Mut und die Hoffnung nicht sinken. Es wird schon alles wieder recht und gut werden und es wird dann ein umso freudigeres Wiedersehen geben.

Für heute die herzlichsten Grüße auf ein baldiges Wiedersehen hoffend dein Bruder

 August

Extra Grüße an Paulerl und alle im Hause

 

 

     Brief von August an seinen Vater
    geschrieben am: 27.12.1942
    Stempeldatum:     ?    .1942

     

Letzter Brief von August

                                                                                      
       Im Felde, den 27. Dez. 1942

Lieber Vater!

Will dir schnell ein paar Zeilen senden, damit ihr wisst, dass ich noch gesund und am Leben bin. Bin noch bei der Infanterie, die Lage ist bei uns noch die gleiche, wie ich in den letzten Briefen bereits beschrieben habe. Es geht mir nicht gut. Zu essen haben wir nur halbe Portionen, Brot bekommen wir nur 1/3 Portionen. Leider war es an Weihnachten auch nicht besser. Eben haben wir etwas rohes Pferdefleisch bekommen. Habe es mir mit Schnee gekocht, essen müssen wir es ohne Salz, da wir keines haben. Aber es hat mir doch gut geschmeckt, da sieht man erst, wie weit es bei Hunger kommen kann. Leider ist an Weihnachten keine Post angekommen, nicht einmal ein Brief, von Päckchen ganz zu schweigen. Wenn nur die Päckchen ankommen würden. Das wird einmal eine Freude geben, wenn die Päckchen wieder kommen, dann wird auch die Lage wieder besser sein.

Weihnachten war ganz traurig hier. Dass ich es nicht zu Hause feiern kann, habe ich so gewusst, aber direkt im Schützengraben und bei solchen Verhältnissen, das hätte ich nicht gehofft. Es sieht nicht danach aus, dass im alten Jahr noch eine Besserung eintritt. Hoffen wir, dass es im neuen Jahr bald anders wird.

Das Wetter ist immer noch miserabel. Am Hl.Abend und am ersten Feiertag tobte ein Schneesturm und seit gestern und heute ist es furchtbar kalt. Wenn nur der Winter bald vorüber wäre. Im Sommer wäre eine solche Lage halb so schlimm.

Von Hansi habe ich vorige Woche  einen Brief bekommen, er schreibt um eine Taschenlampe. Ich selber würde 50 Mark dafür geben, wenn ich für mich eine hätte. Er kann es natürlich noch nicht wissen, wie es hier aussieht. Solche Sachen sind in Russland überhaupt nicht zu haben. Nun muss ich schließen in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.

 Es grüßt euch alle dein Sohn August

Schicke mir bei Gelegenheit auch wieder etwas Briefpapier.

Wünsche euch allen auch nochmals ein recht glückliches Neues Jahr.

Warum lässt Franz nichts mehr hören, sein letzter Brief war vom August. Hat er mich denn wirklich vergessen? Oder ist er bös auf mich? Ich wüsste nicht warum. Ich glaube, wenn er in meiner Lage wäre, würde es ihm auch nicht gefallen, wenn ich ihm nicht schreiben würde. Wenn es bei mir mal etwas länger dauert, bis ich schreibe, so hat es seinen Grund. Es liegt dann nicht an mir, sondern an den Verhältnissen.


 

 Brief von Fanny an Ihren Bruder August
geschrieben am: 13.01.1943
Stempeldatum:  ?         .1943
unzustellbar zurück  - Der Brief  konnte nicht mehr zugestellt werden!

Brief von Fanny an August – zu diesem Zeitpunkt war August schon vermisst.
Der Brief kam wieder aus Stalingrad als unzustellbar zurück.


                                                                              
        Deining, den 13.1. 1942

Mein liebster Bruder August!

Erhielt heute dein langes Brieflein, das du mir am 25. Dezember schriebst, tausend Dank dafür. Ich werde es immer aufheben, es werden diese Zeilen eine ewige Erinnerung für mich sein. Er freute mich ja, lb. Bruder, dass du mir so ausführlich in deinem lb. Brief schriebst. Du kannst dich verlassen, lieber Bruder August, dass auch meine Gedanken immer bei dir in der Ferne sind, denn weißt doch, dass du mir immer mein liebster Bruder warst und ich dich auf keinen Fall verlieren möchte, würde lieber mein Leben für deines geben, denn du hattest doch noch gar nichts von deinem Leben.

Dass du nicht ein Weihnachtspäckchen von mir erhalten hast, ist mir ja furchtbar, wie gerne hatte ich die Päckchen geschickt, noch nie war mir da was zu viel, auf so vieles würde ich verzichten, wenn ich nur dir, mein lb. Bruder, dadurch helfen könnte. Es ist ja für uns so schwer, dass wir an der ganzen Sache nichts ändern und helfen können.

Lb. Bruder, es vergeht kein Tag, wo nicht unser Paulerl für seinen Onkel August betet, vielleicht ist es ja doch nicht umsonst. Von unserem Franzl haben wir seit 20. November keine Nachricht mehr, meine Schwiegermutter macht sich so viel Sorgen um ihn. Dass Otto von der Ostsee weggekommen ist, habe ich dir ja schon geschrieben, bin nur neugierig wohin.

Sonst, lb. Bruder, ist bei uns immer noch so alles beim alten, wir dürfen uns ja in keiner Weise klagen, wenn wir an die großen Opfer von euch Soldaten denken.

Hoffen wir nun, lb. Bruder, dass auch für euch die Stunde der Erlösung kommt und du auch noch eine bessere und schönere Zeit verleben darfst.

Dir von ganzem Herzen alles Gute wünschend bleibe ich mit tausend herzlichen Grüßen deine dich nie vergessende Schwester.

Fanny

Und extra Gruß von Paulerl und allen im Haus

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