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22.11.1942 Kessel ist geschlossen - die gesamte 6. Armee, das IV. Armeekorps der 4. Panzerarmee + rum. Divisionen ( insgesamt 23 Divisionen mit
rund 300000 Soldaten - deutsche und Verbündete - sind eingekesselt )
Am Sonntag, dem 22. November 1942, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen
des Vortages bekannt: Im Raum südlich Stalingrad und im großen Donbogen halten die erbitterten Abwehrkämpfe an. Deutsche und rumänische Truppen brachten bei einem Gegenangriff 600 Gefangene ein und vernichteten 25
Panzerkampfwagen. Weitere 36 Sowjetpanzer wurden am 20. und 21. von einer Panzerdivision abgeschossen. Deutsche und rumänische Luftstreitkräfte unterstützten die eigenen Truppen und fügten dem Feind in rollenden
Angriffen gegen Panzerbereitstellungen, Infanterieverbände, Ausladungen und Fahrzeugkolonnen hohe Verluste zu. In Stalingrad wurden bei Stoßtruppunternehmen weitere stark ausgebaute Stützpunkte genommen und
an anderer Stelle Vorstöße der Sowjets abgewiesen.
AOK 6/Ia an HGr B vom 22.11.1942, 19.00 Uhr, betr. Lage und Absicht der Armee. 1.Teil. Armee eingeschlossen. Ganzes Zarizatal, Eisenbahn von Sowjetski bis Kalatsch, ebendortige Donbrücke, Höhen auf Westufer Don bis Golubinskaja, Oskinski und Kraini trotz heldenmütigen Widerstandes in Händen der Russen. Weitere Kräfte vorgehen von Südosten über Businowka nach Norden und besonders stark von Westen Richtung Malyi. Lage bei Ssurowikino und Tschir unbekannt. Stalingrad und Nordfront starke Spähtrupptätigkeit, starke Angriffe auf Front IV.A.K., die abgewiesen, und bei 76. I.D., dort kleiner Einbruch. 2.Teil. Armee hofft Westfront westl. Don am Golubaja Abschnitt aufbauen zu können. Südfront ostw. Don noch offen.
24.11.1942 - ab 24.11.42 wurde Generalmajor Pickert - Kommandeur der 9.FlakDiv - als Beauftragter der Armee für die Luftlandung von Versorgungsgütern auf dem Flugplatz
Pitomnik eingesetzt. Die 9.FlakDiv. regelt auf Anweisung der Armee die Ausgabe der Versorgungsgüter Im Kessel gibt es eine Anzahl Flugplätze wie Pitomnik, Gumrak, Bassargino, Karpowka und Stalingradski, von denen
einige bis zur Einschließung von der Luftwaffe benutzt wurden. Für den Versorgungseinsatz kommt jedoch nur Pitomnik in Frage, denn dieser Platz eignet sich für den Flugbetrieb auch bei Nacht. Bassargino, ein
ehemaliger sowjetischer Feldflughafen, besitzt nicht die notwendigen Einrichtungen und liegt wie Karpowka zu nahe an der Frontlinie, und den bestens geeigneten Flugplatz Gumrak weigert sich General Paulus zur
Verfügung zu stellen, um sein am Rande liegendes Hauptquartier nicht zu gefährden.
AmMittwoch, dem 25. November 1942, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu
den Ereignissen des Vortages bekannt:: Südwestlich Stalingrad und im großen Donbogen setzte der Gegner seine Angriffe mit starken Infanterie und Panzerkräften fort. Die eigene Abwehr wurde durch starke
Nahkampffliegerverbände sowie deutsche und rumänische Kampfflieger in rollenden Einsätzen wirksam unterstützt. Die Sowjettruppen erlitten erneut hohe Verluste an Menschen und Material. Gleichzeitige Angriffe des
Gegners zwischen Wolga und Don wurden von deutschen und rumänischen Truppen in erbitterten Kämpfen unter hohen blutigen Verlusten für den Feind abgeschlagen und dabei wieder 54 Panzerkampfwagen vernichtet. Auch in
Stalingrad selbst scheiterten feindliche Angriffe. An der übrigen Ostfront wurden eigene Stoßtruppunternehmen erfolgreich durchgeführt und Angriffe des Feindes zurückgewiesen.
25.11.1942
Luftversorgung durch das VIII. Fliegerkorps ( Gen.Lt. Fiebig ) setzt ein. Oberst Förster, der Kommandore des Kampfgeschwaders z.b.V. 1 übernahm den Befehl über alle zur Zeit bei der Luftflotte 4
befindlichen Transportverbände. Nach den Berechnungen der 6. Armee war ein täglicher Einflug von mind. 500 to Versorgungsgüter nötig, um die Kampfkraft der Divisionen
aufrechtzuerhalten.d.h. täglich 250 Ju 52 oder 420 HE 111 oder gemischte Transportgruppen. Unrealistische Einschätzung, da so viele Maschinen zwar theoretisch zur Verfügung standen, aber aufgrund der oft
extrem schlechten Wetterbedingungen nicht hätten fliegen können bzw. z. Teil noch für die Versorgung der Truppen in Afrika bzw. an anderen Fronten gebunden waren.! Die Unberechenbarkeit der Wetter - und
Feindlage machten somit die Versorgung des Kessels letzlich zu einem Glücksspiel. GenLt Fiebig war einer derjenigen, der vor zuviel Optimismus warnte und der die erforderliche Versorgung für nicht möglich hielt.
Aber allen guten Argumenten zum Trotz wurde ein möglicher Ausbruchversuch aus dem Kessel ( Ende November /Anfang Dezember ) unterlassen! Nicht zuletzt weil im vergangenen Winter die Versorgung der dt. Truppen , die
monatelang im Kessel von Demjansk eingeschlossen waren,geklappt hat. Allein die Brotversorgung der 6. Armee: - bei 200 g täglicher Ausgabe an 250000 Mann - betrug 50 to, d.h. 25 Ju 52 müßten täglich nur Brot transportieren!! Der Oberquartiermeister der Luftwaffe hielt 300 to täglich für möglich, wenn die HE 111 freigestellt würden und keine Kampfeinsätze mehr fliegen brauchten. Am Donnerstag, dem
26. November 1942, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages bekannt: Zwischen Wolga und Don und im großen Donbogen halten die schweren Panzer und Infanterieangriffe
des Feindes an. Sie wurden in erbitterten Kämpfen abgewehrt. Der Gegner verlor erneut zahlreiche Panzerkampfwagen. Eigene Luftangriffe fügten dem Gegner starke Verluste an Menschen, schweren Waffen und Fahrzeugen
aller Art zu. In Stalingrad brachen auch gestern feindliche Angriffsversuche zusammen
26.11.1942 An den beiden ersten Tagen mit regulären Versorgungsflügen, bringen die Ju 52 lediglich 65 to Sprit und Munition in den Kessel. Die Ju 52 kann
als reine Transportmaschine ca. 2,0 to Nutzlast befördern. |
JU 52 
In der ersten Phase, als die vier Absprungplätze Tazinskaja, Morosowsk, Tomosin und Bobojawlenskaja “ nur “ ca.
150 - 200 Km von Stalingrad entfernt, sind 2 Flüge pro Tag die Regel. Die Schwerverwundeten wurden aus Pitomnik nach Tazinskaja, die Leichtverwundeten nach Morosowsk geflogen.
28.11.1942 : klares Wetter - optimale Einsatzmöglichkeiten - nicht weniger als 389 Einsätze wurden geflogen ! Gen.Lt
. Fiebig wurde zum Lufttransportführer Stalingrad ernannt.
29.11.1942 Für die Versorgungsflüge werden erstmalig zweimotorige He-111-Bomber eingesetzt, die durch
Ausnutzung der leeren Bombenschächte imstande waren, Versorgungsgüter mit einem Gewicht von ca. 1,2 to zu befördern und über dem Kessel abzuwerfen.
HE 111

30.11.1942 Heranführung von Luftfeldpost aus der Heimat eingeleitet
Lagebericht, Oberkommando des Heeres,
30. November 1942 Heeresgruppe Don, 6. Armee: An der Westfront verlief Zurücknahme der eigenen Linien auf Höhenstellung (ungefährer
Verlauf: südwestlich KotlubanMarinowka) planmäßig. Der Gegner folgte zögernd. Bei 29. Infanteriedivision (mot.) zog
sich der Feind etwa 3 Kilometer zurück und schanzt. Starke Feindangriffe auf die Südspitze südwestlich Stalingrad wurden zum größten Teil abgewiesen. Kleinerer Einbruch im Gegenstoß bereinigt.
Am Dienstag, dem 1. Dezember 1942, gibt das Oberkommando der Wehrmacht
zu den Ereignissen des Vortages bekannt: Die gestern fortgesetzten Angriffsversuche der Sowjets zwischen Wolga und
Don scheiterten unter ungewöhnlich hohen feindlichen Verlusten. Der deutsche Gegenangriff warf sie über ihre Ausgangsstellungen zurück. Zahlreiche Gefangene und Beute wurden eingebracht. Örtliche Angriffe im großen
Donbogen scheiterten. Kampf, Schlacht und Zerstörergeschwader unterstützten wirksam die Truppen des Heeres.
Jagdverbände schossen 43, Flakartillerie der Luftwaffe 8 Sowjetflugzeuge ab. 3 eigene Flugzeuge gingen verloren. Truppenunterkünfte und Bahnanlagen am mittleren Don wurden bei Tag und Nacht bombardiert.
01.12.1942 Für den Abtransport von Feldpost wird auf dem Flugplatz Pitomnik ein FpA eingerichtet welches bis
zum 5. Dezember einsatzbereit sein muß. Zuführung von Feldpost erfolgt von Morosowskaja. Zum Schutz und
Geleitschutz der Versorgungsflüge wurde eine Platzschutz- Staffel vom Jagdgeschwader 3 auf Pitomnik stationiert.
Diesen wenigen Me 109 Flugzeugen war es zu verdanken, daß die sowjetischen Schlacht- und Jagdflieger den
deutschen Nachschub nicht unterbinden und auch die Bodenanlagen nicht zerstören konnten.
Me 109

02.12.1942 erstmalig in geringen Mengen Feldpost zugeflogen worden
03.12.1942 Die GenKdos weisen die ihnen unterstellten Korps - und - DivFpÄ an, einmalig vier Luftfeldpostmarken
zusätzlich auszugeben. Markenergänzung erfolgt durch AOK. Bei Fehlen von genügend Marken sind diese anzufordern. Zuführung der Heimatpost erfolgt in Kürze, sobald die Transportlage es zuläßt. Wetterlage: Eisregen + dichtes Schneetreiben + Nebel verhindern jeden Start !
Der Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte der Roten Armee, Generalleutnant A. A. Nowikow, übernimmt jetzt
persönlich das Kommando über die Luftblockade der eingekesselten 6. Armee. In seiner Direktive vom 4. Dezember
1942 verlangter von den Luftarmeen »die Vernichtung gegnerischer Transportflugzeuge als Hauptaufgabe zu betrachten.
. ., und die ihnen unterstellten Jagd und Schlachtfliegerverbände pausenlos dafür einzusetzen und dem fliegenden
Personal die ganze Bedeutung dieser Aufgabe klarzumachen. Die Flugplätze des Gegners im Kessel sind tagsüber mit Jägern und nachts mit U2-Maschinen anzugreifen.«
An der Blockade beteiligen sich die 8. und die 16. Luftarmee, Teile der 17. Luftarmee, die Heeresflak und das
Luftabwehrkorps. Bei Kotelnikowo und Zimljansk werden vorgeschobene Luftbeobachtungsposten eingerichtet, die
Tag und Nacht anfliegende Transportflugzeuge melden. 5 neu aufgestellte Flakabteilungen mit Scheinwerfern bilden 2 Flaksperren im Abschnitt SetyStalinski.
Für die Luftblockade werden auch alle erreichbaren Flakregimenter, selbständige Flakbatterien, Flakbataillone und
kompanien, Scheinwerfer und Sperrballontrupps, Bataillone des Flugmeldedienstes und sogar Panzerzüge eingesetzt.
Das Luftmeldenetz wird erheblich verstärkt und mit den Jagdflugplätzen und den Flakbatterien verbunden. Die
Sperrzone besteht aus zwei Streifen, der äußere Streifen ist 50 Kilometer breit, in 5 Sektoren eingeteilt, und jede der eingesetzten 5 Jagdfliegerdivisionen ist für einen bestimmten Sektor verantwortlich.
8 bis 10 Kilometer vor dem inneren Einschließungsring, der fast bis an den Kessel reicht, geraten die deutschen
Flugzeuge in das Feuer der Flakartillerie. Die Breite des inneren Streifens hat durchschnittlich 10 Kilometer. So stehen
entlang der deutschen Einflugschneisen etwa 1100 Flugabwehrgeschütze, und selbst wenn den deutschen Maschinen der
Anflug in den Kessel gelingt, sind sie keineswegs in Sicherheit. Sowjetische Bomben und Schlachtflugzeuge greifen die
Flugplätze innerhalb des Einschließungsringes fast ununterbrochen an.Nachts halten U2Maschinen die Blockade aufrecht
und operieren paarweise: Während das eine Flugzeug über dem Zielgebiet Leuchtbomben abwirft, greift das andere an.
04.12.1942 Die Armee-Feldpostumschlagstelle ist ab 6.Dez. aufnahmebereit. Umschlagstelle befindet sich beim
Korps-Feldpostamt 408, in einer Schlucht 2 Km südostwärts Bol.Rossoschka. Zufuhr der Feldpostsäcke hat mit Kfz
der DivFpÄ dorthin zu folgen.Weiterleitung von Armee-Umschlagstelle zum Flugplatz Pitomnik wird durch Korps
-Feldpostamt 408 geregelt. Selbstständige Ableitung der Feldpost auf dem Flugplatz Pitomnik ist verboten. Päckchen und Briefpost über 20g sind von der Beförderung ausgeschlossen. Wetterlage: Eis schmolz in Pitomnik - jedoch dichter Nebel verhinderte Start in Tazinskaja +
Morosowskaja - dennoch schafften es an diesem Tage noch 17 HE 111 + etwa 50 Ju 52 und brachten ca. 140 to Munition, Betriebsstoff + Verpflegung in den Kessel. Verluste an Ju 52 bis zum 4.12. : 38 Maschinen - 11 weitere Maschinen nur teilbeschädigt und mußten repariert werden
- 100 Mann fliegender Besatzung waren gefallen .
05.12.1942 Es starten 36 Ju 52 bei schwierigsten Wetterverhältnissen, z.T. sogar völlig im Blindstart.
Pitomnik gab 120 m Wolkenhöhe an + 1 bis 2 Km Sicht. Ab 10.00 Uhr gab es dann auf den Plätzen in Tazinskaja und Morosowskaja keine Landemöglichkeit mehr.
Der Kessel gewinnt nun in diesen Tagen seine endgültige Form, die bis in die zweite Januarwoche hinein beinahe
unverändert bleibt.»In Anerkennung des heldenmütigen Kampfes der Truppe« befördert Hitler am 30. November 1942
den General der Panzertruppen Paulus zum Generaloberst. Inzwischen unternehmen die Sowjets alle Anstrengungen, um
die Luftversorgung der 6. Armee zu unterbinden: An einem der Tage, dem 30. November, schießen deutsche Jäger und
Flak 30 sowjetische Maschinen ab, die gegen deutsche Transportmaschinen und Flugplätze eingesetzt waren. Anfang
Dezember verfügt der »Lufttransportführer Tazinskaja«, Oberst Förster, über mehr als 11 Gruppen Ju 52 und dazu 2
weitere Gruppen völlig untaugliche veraltete Ju 86, insgesamt 320 Maschinen. Dann folgt am 2. Dezember klirrender Frost. Die Motoren springen nicht mehr an, es fehlen die Wärmewagen.
Mansteins Entsatzoperation »Wintergewitter«, ursprünglich am Mittwoch, dem 2. Dezember, vorgesehen, wird wegen unvorhergesehener großer Nachschubschwierigkeiten zunächst auf den 8., dann auf den 12. Dezember verlegt
06.12.1942 Ein Bericht der 9. FlakDiv (mot) vom 6.12.42 gibt eine Übersicht über die durchgeführte Luftversorgung
und Verwundetenabschub in der Zeit vom 25. November bis 5.12.42: -
1. eingefallenen Versorgungsmaschinen: 351 Ju 52; 119 HE 111 2. Gelandetes Versorgungsgut: 380,60 cbm Diesel - 6,60 cbm Motoröl - 0,15 cbm Getriebeöl 50 Kg Schmierfett
- ca. 40 cbm Flugbetriebsstoff B4 - 328,8 t Munition - ca. 32 t Verpflegung , Nachrichtengerät, Sanitätsmaterial, Karten und Panzerstollen 3. 5080 Verwundete abtransportiert
07.12.1942 Am 7. Dezember, landeten bei gutem Wetter auf dem Flugplatz von Pitomnik 188 Maschinen, die 282 to
Nachschub bringen. Nur ein zweites Mal gelingt im weiteren Verlauf der Luftversorgung von Stalingrad diese an der Grenze der geforderten 300 to liegende Menge zu schaffen !
Der Verpflegungssatz der eingeschlossenen 6.Armee muß nochmals gekürzt werden, jetzt beträgt die Tagesration:
Brot 200g - Gemüse : 1/2 der Normalsätze - Frischfleisch : 120 g oder 200 g Pferdefleisch - Käse : 50g oder 75 g
Frischwurst - Butter, Magarine, Schmalz: 30 g oder 120 g Marmelade und Kunsthonig - 3 Portionen Getränke - 3 Zigaretten, 1 Zigarre oder 25 g Tabak
08.12.1942 70 HE 111 bringen ca. 140 to Versorgungsgüter in den Kessel.
Lagebericht, Oberkommando des Heeres, 8. Dezember 1942 Heeresgruppe Don: Bei Aksai Feindansammlungen gemeldet (an der Bahn Stalingrad - Kotelnikowo).
Bei der 6. Armee keine wesentlichen Feindangriffe. Feindansammlungen vor der Südostfront erkannt. Westlich Bahnhof Tschir wurden mehrere Feindangriffe abgewiesen.
Am Mittwoch, dem 9. Dezember 1942, gibt das Oberkommando der Wehrmacht . zu den Ereignissen des Vortages
bekannt: Neue Versuche der Sowjets, die deutschen Stellungen im Ostkaukasus und im WolgaDonGebiet zu
durchbrechen, scheiterten auch gestern unter hohen feindlichen Verlusten. Feindliche Massenangriffe von Infanterie und
Panzerkräften führten zwischen Wolga und Don zu sehr harten, für unsere Truppen erfolgreichen Kämpfen. Gefangene
und Beute wurden eingebracht. Im großen Donbogen warfen deutsche Panzergrenadiere im Gegenangriff den Feind aus seinen Stellungen und schossen 46 Sowjetpanzer ohne eigene Panzerverluste ab.
09.12.1942 Erwähnung des Flugplatzes Bessargino Im gesamten Einsatz + Kampfbereich dichter Schneefall - keine Versorgungsflüge möglich
Lagevortrag, Oberkommando der Wehrmacht, 9. Dezember 1942 Osten: Generalfeldmarschall von Manstein will bei günstiger Wetterlage am 11. oder 12. Dezember zum Entsatz der 6.
Armee antreten; er rechnet mit der Durchführung des Angriffs bis zum 17. Der Führer ist sehr zuversichtlich, er will die
alte Stellung am Don wiedergewinnen. Seiner Ansicht nach ist die erste Phase der großen russischen Winteroffensive abgeschlossen, ohne daß sie entscheidende Erfolge gebracht hat.
Lagebericht, Oberkommando des Heeres, 9. Dezember 1942
Heeresgruppe B: Luftaufklärung ergab stärkere Feindansammlungen im Raume westlich Kalatsch. Es wird mit einem Feindangriff auf die italienischen Stellungen bei WerchnijMamon und
südlich davon gerechnet.
11.12.1942 Transport von ca. 120 to von 80 HE 111, mit Ju 52 ebenfalls 80 to , verloren aber 6 Maschinen durch Feindjäger.
12.12.1942 Flugzeuge mit Post fliegen den Flugplatz Bessargino an - nur 80 to Versorgungsgüter eingeflogen
ab 12.12.1942 Operation“ Wintergewitter” Entsatzangriff ( Versuch ) der 4.Pz. Armee ( GenOberst Hoth ) mit dem
LVII Panzerkorps ( 6. + 23. PD)
14.12.1942 Trotz Sicht gleich Null flogen noch einige HE 111 in die Festung - immerhin 60 to Otto
-Treibstoff + 20 to Verpflegung - die Maschinen mußten wegen der extrem schlechten Wetterlage über Nacht im Kessel bleiben.
15.12.1942 Wetterlage wie Vortag
Unter normalen Umständen wäre kein Flugzeug gestartet. Für Stalingrad wagten einige der Besatzungen den Flug und brachten ca. 90 to - überwiegen Treibstoff - in den Kessel.
Lagevortrag, Oberkommando der Wehrmacht,
15. Dezember 1942 Osten: Die Panzergruppe Hoth hat keine weiteren Fortschritte gemacht. Die bei ihr eingetroffene, nur aus vier
Bataillonen bestehende 15. LuftwaffenFelddivision befindet sich noch weit rückwärts in der Versammlung. Der
erwartete Großangriff gegen die italienische B. Armee hat noch immer nicht eingesetzt; es hat den Anschein, als ob der
Gegner durch dauerndes Vorfühlen nur Reserven binden wolle. Eine Schlußfolgerung ist hieraus vom Führer noch nicht
gezogen worden. Auf den Getreidesammelstellen der Ukraine ist in diesem Jahr zehnmal soviel Getreide angeliefert
worden wie voriges Jahr, nämlich 8,1 Millionen Tonnen. Der Führer hat seine Absicht, sich auf längere Zeit nachdem Berghof zu begeben, endgültig aufgegeben.
Die Feldpostversorgung ist relativ gut angelaufen, aber - das eingeflogene z. T. wäßrige Roggenbrot muß vor Gebrauch
erst wieder aufgetaut werden - es treffen überwiegend hartgefrorenes Frischfleisch und tonnenweise Gemüsekonserven
anstelle von Kraftnahrung ein! Manche Transportmaschine bringen statt der dringend erforderlichen Nahrung Stapel
alter Zeitungen , Tornisterschriften der Wehrmacht -Propaganda - Abteilung usw......... !!!! Aus der Not heraus
werden ca. 4000 Pferde der rumänischen Kavallerie - Division , die am Futtermangel eingegangen wären, geschlachtet. In der zweiten Dezemberhälfte sind im Kessel immerhin noch etwa 230000 Mann, davon ca.40000 im Kampfeinsatz. Rund 200000 sitzen untätig herum!!: Kraftfahrer, für deren Wagen es kein Benzin gibt, Kanoniere mit Geschützen ohne
Munition, Trosse, deren Pferde längst verspeist sind.
16.12.1942 70 HE 111 und 20 JU 52 flogen Versogungseinsätze - ca. 180 to Versorgungsgüter eingeflogen
Am 16. Dezember
friert die Wolga ganz zu, und die sowjetischen Soldaten können die dringend gebrauchte Munition vom Ostufer mit Schlitten über das Eis bringen. Die Versorgungslage der 6. Armee dagegen wird immer kritischer. Es ist
sogar unmöglich, statt Brot das raumsparende Mehl in den Kessel zu schicken, da die vorhandene Brotmenge für die
Überbrückungszeit von 34 Tagen zur Umstellung auf eigenes Backen in der Armee nicht ausreicht. Das eingeflogene
wäßrige Roggenbrot muß vor Gebrauch erst wieder aufgetaut werden. Dabei lagern bei Rostow riesige Weizenmehl und
Buttervorräte, die nicht verteilt werden dürfen. Es treffen überwiegend hartgefrorenes Frischfleisch und tonnenweise Gemüsekonserven anstelle von Kraftnahrung ein.
Manche Transportmaschinen bringen statt der dringend erforderlichen Nahrung Stapel alter Zeitungen, 200 000 Tornisterschriften der WehrmachtPropagandaAbteilung, Kragenbinden, Dachpappe, Stacheldraht oder andere
unmöglich zu verwendende Dinge. An einem der Tage kommen allein 6 t Bonbon und verschiedene sperrige Ersatzteile
für Pioniergerät. Aus der Not heraus werden 4000 Pferde der rumänischen KavallerieDivision, die aus Futtermangel eingegangen wären, geschlachtet, um wenigstens das Schlimmste abzuwenden.
Am Donnerstag, dem 17. Dezember 1942, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages
bekannt: Deutsche und rumänische Truppen, unterstützt von Kampffliegerverbänden, warfen zwischen Wolga und Don
den Feind im Angriff weiter zurück und wiesen im großen Donbogen wiederholte Angriffe stärkerer Kräfte z.T. im Gegenangriff ab. 30 Sowjetpanzer wurden vernichtet
18.12.1942
Wegen Vereisungsgefahr im Absprunggebiet kommen nur 5 HE 111 zum Einsatz - Ju 52 konnten wegen des dichten Nebels in Tazinskaja nicht starten. Keine 50 m Sicht. Nur 10 to
Versorgungsgüter!
19.12.1942 Wetter bessert sich - Versorgung läuft in der Nacht wieder an: 73 HE 111, 50 Ju 52 + 13 Ju 86 brachten
ca. 270 to Versorgungsgüter in den Kessel. ( davon 220 to Verpflegung )
JU 86
20.12.1942 Versorgungsflüge von 100 HE 111 + 80 Ju52 + Ju 86
21.12.1942: Die 6. Armee verfügt nur noch über 5 % des benötigten Treibstoffs !!
22.12.1942 Bei dichtem Nebel war kein Flugbetrieb möglich
23.12.1942 Flugplatz Tazinskaja in Gefahr ( Absprungflugplatz + Standort von 180 Flugzeugen ) - 72 Flugzeuge
bringen noch einmal Versorgungsgüter nach Stalingrad
24.12.1942 03.30 Uhr : erste russische Panzer vor der Ortschaft Tazinskaja : Hektik - Aufgabe des Absprung
-Flugplatzes - gegen 6.15 Start der letzten Ju 52 mit Oberst Overdydck, Major Stollberger, Oblt. Drube, Lt. Tausch,
Hptm. Biesterfeld, Hptm. Pekrum + Hptm. Kublank an Bord. Es konnten 108 Ju 52 + 16 Ju 86 gerettet werden.
Dennoch war der Verlust von ca. 56 Flugzeugen für die Luftflotte 4 bzw. für die Versorgung von Stalingrad ein
Desaster. Insgesamt nehmen die Verluste durch Feindeinwirkung, durch Abstürze - die teilweise durch Vereisung verursacht sind - zu. Absprungflugplatz für die Versorgungsflüge jetzt Ssalsk. Die Versorgungslage im Kessel wurde kritisch. Starker Frost
und eisige Schneestürme ließen die Einsatzbereitschaft weiter sinken. Das größte Hindernis war jetzt die Entfernung von
400 Km zum Kessel. Die Reichweite der Ju 52 war an einem kritischen Punkt angelangt. Alle Flugzeuge, die viel Öl
verbrauchten, waren von hier aus nicht mehr einsetzbar. Das bedeutete eine weitere Reduzierung der Transportleistung.
Der Winter hat voll eingesetzt: Die Temperaturen sinken auf 24-30 Grad minus. Es fiel Schnee, der Sturm , der immer wieder einsetzte, riß den Schnee vom Boden und führte ihn mit sich wie ein Sandsturm.Sicht
keine100m Keine Versorgungsflüge möglich, bei zunehmendem Frost werden die Anlaßschwierigkeiten immer größer. In der Zeit
vom 28 Dez. - 4. Jan. gingen 63 Flugzeuge verloren - die Hälfte davon durch Wettereinfluß !
25.12.1942 Lagebericht, Oberkommando des Heeres, 25. Dezember 1942 Heeresgruppe Don, 6. Armee: Stärkere Angriffe in Stalingrad und schwächere Angriffe an der Nordfront wurden
abgewiesen. Luftversorgung infolge Schneesturms nicht möglich. Die Absetzbewegungen der Gruppe Hollidt nach Süden in den GnilajaAbschnitt erfolgten planmäßig. Wetter wie 24.12.42
Am Sonnabend, dem 26. Dezember 1942, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages
bekannt: Zwischen Wolga und Don und im Dongebiet brachen sich die anhaltenden feindlichen Angriffe an dem harten
Widerstand unserer Truppen. In Gegenangriffen warfen deutsche Truppen an mehreren Stellen die Sowjets zurück. 42
Panzerkampfwagen wurden abgeschossen. Starke Verbände der Luftwaffe und schnelle ungarische Kampfflugzeuge unterstützten die Kämpfe des Heeres bei Tag und Nacht.
26.12.1942 Brotration nur noch 50 g pro Tag- mittags gibt es eine dünne Suppe aus Hülsenfrüchten ohne Fettzusatz
.Abends gab es etwas Büchsenverpflegung. Diese kalorienarme Verpflegung bedingte einen raschen Kräfteverfall.
Versorgung des Kessels von Sssalsk aus mit 40 HE 111 - Flugplatz Morosowskaja gerät in Gefahr. GenOberst Paulus schickt Gen. Hube (XIV AK ) zur Berichterstattung ins Führehauptquartier. Ergebnis : Der
Generalquartiermeister wurde beauftragt der 6. Armee Kraftnahrung zuzuführen. Als weitere Nachricht brachte er in den Kessel , daß der Entsatz erst zu Beginn des Frühjahrs 1943 kommt - “ Durchhalten + Gürtel engen schnallen” !!
Lagebericht, Oberkommando des Heeres, 26. Dezember 1942 Heeresgruppe Don: Bei 6. Armee wurde außer einem kleinen Einbruch bei 16. Panzerdivision nichts Besonderes
gemeldet. Die Armee war am Nachmittag 46 Stunden ohne Luftversorgung.
Paulus an OB HGr Don vom 26. 12. 1942, 13.15 Uhr, Meldung betr. Kampfkraft der 6. Armee KRFS AOK 6/I a Nr. 6010 gKdos Chefs
Blutige Verluste, Kälte und unzureichende Versorgung haben Kampfkraft der Divisionen in letzter Zeit stark absinken lassen. Ich muß daher melden:
1. Armee wird schwächere Feindangriffe wie bisher abweisen und örtliche Krisen für einige Zeit noch bereinigen können; Voraussetzung bleibt bessere Versorgung und baldiges Einfliegen von Ersatz.
2. Wenn Russe von Hoth stärkere Kräfte abzieht und mit diesen oder mit anderen Truppen zu massierten Angriffen auf Festung schreitet, wird diese nicht lange widerstehen können.
3. Donnerschlag nicht mehr durchführbar, wenn nicht vorher Korridor geschlagen und Armee mit Menschen und
Versorgungsgütern aufgefüllt wird. Ich bitte deshalb höheren Ortes vorstellig zu werden, daß energische Maßnahmen zum schnellen Entsatz der Armee getroffen werden, wenn nicht die Gesamtlage zwingt, sie zu opfern.
Daß die Armee alles tun wird, um bis zur letzten Möglichkeit zu halten, ist selbstverständlich.
gez. Paulus
28.12.1942 Lage in Morosowskaja scheint sich wieder beruhigt zu haben. Versorgung des Kessels wieder von
Sssalsk aus mit Ju 52
31.12.1942 ca. 200 to. Versorgungsgüter abgeworfen
Am Freitag, dem 1. Januar 1943, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages bekannt: Im Terekgebiet, in Stalingrad und
im großen Donbogen erlitt der Feind bei der Fortsetzung seiner vergeblichen Angriffe wieder hohe Verluste und verlor 33 Panzer.
01.01.1943 Hptm. Toepke wird aus dem Kessel geschickt, um von außen her als 1. Quartiermeister für die
Lufttransporte die Beladung der Flugzeuge auf den Flugplätzen Schachty, Nowotscherkassk, Woroschilowgrad, Stalino, Taganrog und Ssalsk zu optimieren!- ca.200 to Versorgungsgüter abgeworfen
Lagebericht, Oberkommando des 1. Januar 1943
Ostfront: In Stalingrad wurde an der Nordwestfront ein feindlicher Angriff in hartem Kampf abgeschlagen.
02.01.1943 Oberst Kühl mußte seinen Geschwadern und Gruppen den Befehl zum Verlassen von Morosowskaja
geben.
Am Sonntag, dem 3. Januar 1943, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages bekannt: Im Dongebiet dauern die
schweren Abwehrkämpfe an. Der Feind wurde auf der ganzen Front zurückgeschlagen und verlor 38 Panzer. Bei diesen
Kämpfen zeichnete sich die 6. Panzerdivision besonders aus. Ungarische Truppen schlugen einen von starker Artillerie unterstützten Angriff der Sowjets ab.
03.01.1943 ca. 200 to. Versorgungsgüter abgeworfen
Lagebericht, Oberkommando des Heeres, 3. Januar 1943 Ostfront: In Stalingrad keine besonderen Kampfhandlungen.
04.01.1943 Vom 28.12.42 - 4.01.43 gingen 62 Ju 52 verloren In dieser Woche hat das Oberkommando des Heeres den Pathologen Dr. Girgensiohn in den Kessel einfliegen lassen,
um durch Leichensektionen festzustellen, warum so viele deutsche Soldaten auf unerklärliche Weise plötzlich sterben. Das Ergebnis : Hungertod !
Die Ursache ist klar. Die versprochenen 500 t Versorgungsgüter pro Tag werden bei weitem nicht erreicht.
05.01.1943 nur 21 HE 111 konnten zu Versorgungsflügen aufsteigen - Ju 52 nicht einsatz- bereit - Versorgung mit
FW 200 “Condor” mit 6 to Ladekapazität ist geplant.
06.01.1943 in den frühen Morgenstunden konnten nur wenige Ju 52 starten. Die Wetterlage war äußerst ungünstig, weil das Gebiet um Stalingrad bis 300 Km weit nach Westen an der
Kalt-Warm-Grenze lag. Die Folge davon waren aufliegende Wolken, Nebel + Vereisungsgefahr. Die Versorgungslage im Kessel ist sehr gespannt.
08.01.1943 Kapitulationsangebot überbracht durch russischen Offizier als Parlamentär im Bereich der 3. ID bei
Marinowka - Adressat Generaloberst Paulus , durch Kurier nach Gumrak weitergeleitet. Paulus lehnt kategorisch ab. Füherhauptquartier untersagt weitere Kapitulationsverhandlungen.
FW 200

09.01.1943 Versorgung mit FW 200 “Condor” beginnt. 18 FW 200, die aus dem KG 40 herausgelöst wurden,
bildeten das KG z.b.V . 200 das von Major Hans Jürgen Willers geführt wurde. Ihr Absprungplatz war Stalino, 500
Km von Pitomnik entfernt. In den frühen Morgenstunden fliegt die erste FW 200” Condor” den Flugplatz Pitomnik an.
Die FW 200” Condor”, die ein Höchstgewicht von 19 to hatte , flog mit 24 to Gesamtgewicht. EinWunder, daß die
Reifen beim landen nicht geplatzt sind. Der Jubel kennt keine Grenzen- Hoffnung keimt auf! Vom 8. - Mittag des 9.Jan
. konnten 220 to Versorgungsgüter in den Kessel eingeflogen werden. Die ersten 7 FW 200 brachten 5 to Kraftstoff + 22,5 to Verpflegung + 9 to Munition mit. Auf dem Rückflug nahmen sie 156 Verwundete mit. Per Flugblatt wurde das Ultimatum von Marschall Rokossowski zur Übergabe der Stadt überbracht. Es war bis zum
anderen Morgen um 10.00 Uhr befristet. Noch am 9.Jan regnete es dann Flugblätter in den Kessel hinunter , die den gesamten Wortlaut des Kapitulationsangebotes enthielten.
10.01.1943 bereits am zweiten Tag mehrere Ausfälle durch gegnerische Flak + Motor- schäden Keine
Wartungsmöglichkeiten für die Fw 200 in Stalino vorhanden. Keine Flughallen vorhanden. Die störanfälligen FW 200
mußten im Freien gewartet werden. Major Willers wurden schließlich auch Großraumflugzeuge des Typs Ju 290
zugeführt, die zum Einsatz nach Pitomnik flogen. Sie konnten bei einem Flug 10 to Nachschubgüter in den Kessel
bringen und bis zu 80 Verwundete mit zurücknehmen. Die erste Ju 290 wurde von Flugkapitän Hänig in den Kessel
geflogen. Die Nachrichtenoffiziere des VIII. FLK- Oblt Dohmann + Oblt. Jahns kehren zum Korps zurück und erstatten GenLt. Fiebig Bericht. Nach Ablauf des Ultimatums, das im Kapitulationsangebot der Sowjetarmee gestellt worden war, begann am
10. Januar der Generalangriff auf den Kessel.
JU 290
Nach Ablauf des Ultimatums, das im Kapitulationsangebot der Sowjetarmee gestellt worden war, begann am 10. Januar
der Generalangriff auf den Kessel. Man muß sich vorstellen, daß die Stadt sich über 24 Km am Ufer der Wolga entlangstreckt. Der Strom hat mit seinen Verästelungen eine Breite von 1,5 – 3,0 Km.
Ziemlich steil erhebt sich das Westufer, und auf diesen Höhen liegt der Hauptteil der Stadt. Am Ufer befinden sich hauptsächlich Verladeeinrichtungen, Öltanks, Fabriken, Getreidesilos und Mühlen.
Gut 90 % der Stadt waren in deutscher Hand. Ein nur wenige hundert Meter breiter Streifen am Steilufer der Wolga
wurde bis zum Sieg von den Verteidigern gehalten.Hier befand sich während der gesamten Zeit der Schlacht sogar der Gefechtsstand der 62. sowjetischen Armee, die seit Mitte September 1942 von General Tschuikow befehligt wurde. Die meisten dieser Stellungen lagen wegen der Steilhanglage im toten Winkel der dt. Artillerie. So bekämpfte man sich
gegenseitig in den Ruinen mit Handgranaten, Feuerwerfern und versteckt eingesetzten Scharfschützen.
Taktisch war das verlustreiche Festkrallen der Russen an diesen letzten Trümmerhaufen genauso unsinnig, wie das stete Anstürmen der Deutschen auf diese Trümmer.
Die geringe Verpflegung machte sich jetzt allmählich stärker bemerkbar; bis Weihnachten ging es noch einigermaßen,
infolge der noch vorhandenen Bestände an Pferden der InfDiv. Die Versorgung durch die Luft war jedoch völlig unzureichend. Nachdem die Übergabeaufforderung abgelehnt worden war, begann der Russe am 10. 1. seinen
Großangriff von Westen her gegen den Kessel. Es waren kaum ausgebaute Stellungen vorhanden, besonders im Westen
, wo die Frontlinie einfach auf der Karte festgelegt worden war, ohne sich dem sowieso kaum Schutz bietenden Gelände
anzupassen. Dazu kam die Kälte, Schnee, wenig Unterkünfte, kaum Schanzzeug, nur noch wenig schwere Waffen und
noch weniger Munition dafür. Fla. und Flak konnten deshalb kaum schießen, höchstens noch in der Erdabwehr gegen
Panzer. Trosse und rückwärtige Teile waren längst auf jeden nur einigermaßen einsatzbereiten Mann ausgekämmt.
11.01.1943 Wetterlage: Schneetreiben + dichter Nebel
Die HE 111 flogen, mußten aber zum Teil ausweichen, die Ju 52 konnten nicht starten.
11./12.01.1943 Aufgabe des Flugplatzes Karpowka
14. 01.1943 Aufgabe des Flugplatzes Bessargino. Neuer Flugplatz bei Gumrak. In der Nacht starten 55 JU 52 und
bringen 180 to.Versorgungsgüter in den Kessel. ( zum Teil Abwurf)
15.01.1943 Am Morgen war der Flugplatz Pitomnik noch anfliegbar. Mit allen einsatz- bereiten HE 111 wurden
Versorgungsflüge durchgeführt. Die einsatzklaren FW 200 + HE 177 schlossen sich an. Um 09.45 ging ein
Luftflottenbefehl bei GenLt Fiebig ein, nach welchem Ssalsk bis zum 16.12 zu räumen ist. Die einsatzbereiten Ju 52 sollten nach Swerowo ausweichen und von dort die Versorgungsflügen für den Kessel weiterführen.
HE 177

Tägliche Lagemeldung der 6. Armee an die Heeresgruppe Don: 15. Januar, Tagesmeldung: Trotz heldenhaftem Kampf der 16. Panzerdivision ging Höhe drei Kilometer südostwärts P.
139,7, die mehrere Tage von drei Seiten eingeschlossen war, gegen schwerste Angriffe verloren ... Wiedernahme der Höhe aus Munitionsmangel und Kräftemangel nicht möglich.
16.01.1943 Ju 52-Gruppen müssen den Flugplatz Ssalsk fluchtartig verlassen Verlegung nach Swerowo,
Notlandeplatz auf hergerichtetem Maisfeld.
16. Januar, Tagesmeldung: Feind setzt Massensturmangriffe gegen Süd, Südwest und Westfront fort, wurde jedoch in
schweren Kämpfen vor neuer Widerstandslinie abgewiesen. Versorgungslage katastrophal. Truppe infolge
Betriebsstoffmangels nicht mehr in der Lage, Verpflegung zur Front zu bringen. Zahlreiche Kompanien an der Westfront
seit zwei Tagen ohne Verpflegung. Truppe während des ganzen Tages bei 30 Grad Kälte ohne Bunker, Angriffen
russischer StukaStaffeln mit schwersten Bomben wehrlos ausgesetzt. Eigene Stuka, Jäger und Aufklärer ausgefallen oder ausgeflogen
15./16.01.1943 Flugplatz Pitomnik hat auf Befehl für 16.01.1943 Stellungswechsel nach Gumrak vorzunehmen Die
Rote Armee erstürmt den Flugplatz Pitomnik. Versorgung des Kessels in der Zeit vom 22.11.42 - 16.01.43 durch 3410 Flugzeuge bzw. insgesamt 5300 Tonnen
Versorgungsgüter. Dies entspricht einem täglichen Durchschnitt von 64 Maschinen mit ca. 100 to. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, auch wenn es für die 6. Armee völlig unzureichend war.
17. Januar, Morgenmeldung: Seit Mitternacht rollende feindliche Luftangriffe auf die Festung, die ohne Jagd und fast
ohne Flakschutz ist. Wenn erneut zugesagte Steigerung der Luftversorgung nicht sofort einsetzt, ist jedes Halten aussichtslos.
Tagesmeldung: 6. Armee hat Stellungen gegen weitere schwere Angriffe an Nordost, West und Nordwestfront im
allgemeinen gehalten. Zahlreiche örtliche durch Munitions und Betriebsstoffmangel bedingte Krisen ... Infolge
unzureichender Versorgung muß in der Festung mit dem äußersten gerechnet werden. Zahlreiche Soldaten verhungert.
Am Montag, dem 18. Januar 1943,gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages
bekannt: Die unter schwierigsten Bedingungen kämpfenden deutschen Truppen im Raum von Stalingrad hielten in zäher Ausdauer und verbissenem Kampfeswillen weiteren starken Angriffen stand.
18. Januar, Tagesmeldung: Betriebsstofflage durch Versagen der Luftzufuhr legt jede Bewegung auch für die Versorgung
der Truppe mit Verpflegung lahm. Laufend Bombenangriffe. Flughafen Gumrak voll anfliegbar. Tagsüber nur 2 Heinkel 111 gelandet.
Tagesparole des Reichspressechefs, Montag, 18. Januar 1943:
Die Schwere der Kämpfe an allen Abschnitten der Ostfront sowie der heldenmütige Kampf unserer Truppen im Raume von Stalingrad stehen im Vordergrund der Blätter
Tägliche Lagemeldung der 6. Armee an die Heeresgruppe Don:
19. Januar. Tagesmeldung: Feind nahm seine Massenangriffe an der Westfront gegenlinken Flügel 76. und rechten Flügel
44. 1. D. wieder auf, wurde jedoch abgewiesen. Versorgungsbomben wegen Schneeverwehungen nur teilweise gefunden; Sammeln derselben wegen Betriebsstoffmangels sehr schwierig.
Tagesparole des Reichspressechefs, Dienstag, 19. Januar 1943: Nachdem die Härte der Winterschlacht im Osten der
Öffentlichkeit durch die Nachrichtengebung zum Begriff geworden ist, muß in verstärktem Maße die eigene Arbeit der
Schriftleitungen einsetzen, um die Leser im Sinne der von den Soldaten im Osten bewiesenen äußersten Entschlossenheit und Einsatzbereitschaft eindringlich anzusprechen.
General Hube teilt mit, daß er aus Festung Stalingrad befehlsgemäß ausgeflogen und bei Feldmarschall Milch zu
erreichen sei. Die Lage im Kessel ist trotz allen Heldentums als tragisch zu bezeichnen. Man kann dort infolge der Kälte und der immer mehr absinkenden Versorgung von einem organisierten Menschensterben sprechen.
Statt der versprochenen 500 t sind in letzter Zeit durchschnittlich 50 t Versorgung angekommen. Generaloberst Paulus beabsichtigt, die Festung auf einen kleinstmöglichen Raum unter Ausnutzung der noch leidlichen
Unterkunftsmöglichkeiten in Stalingrad und um Zariza zu verengen. Der Flugplatz wird in Kürze nicht mehr landefähig
sein. Dann kommt nur noch Abwurf in Frage, und zwar möglichst hinter den Divisionen, da weder Panjepferde noch
Schlitten vorhanden sind, um Versorgungsgüter von einem zentralen Abwurfplatz zur Truppe zu bringen, und die wenigen betriebsfähigen Lkw durch Schneeverwehungen nicht durchkommen.
Wenn Versorgung sichergestellt wird, ist zu hoffen, daß sich die verkleinerte Festung noch eine Zeit halten kann. Ein
Einbruch in diese Stellung muß dann aber das Ende zur Folge haben. Es wird für diesen Fall erwogen, ehe man sich
totschlagen läßt, einen Ausbruch in Richtung Don zu versuchen in der Hoffnung, daß es dann doch noch einigen Gruppen gelingen wird, sich nach Partisanenart zu den eigenen Linien durchzuschlagen.
20.01.1943 Ein Ausweichflugplatz wird 5 Km südostwärts Gumrak erkundet und eingerichtet. Landung auf diesem
Flugplatz ist nur bei Tage möglich. Außer diesem Flugplatz sind bei allen Korps Abwurfplätze eingerichtet.
22.01.1943 Aufgabe des Flugplatzes Gumrak
Tägliche Lagemeldung der 6. Armee an die Heeresgruppe Don: 22. Januar, Tagesmeldung: In schweren, während des ganzen Tages an Nord, West und Südwestfront anhaltenden
Kämpfen erzielte Feind an Südwestfront tiefen Einbruch. In heroischem Ringen, trotz Fehlens von Artilleriemunition und
Panzerabwehr, stark überlegene Feindangriffe in Linie 2 Kilometer nordwestlich Talowoi Talawoi 2 Kilometer
nordwestlich Minina aufgehalten. Munition zum größten Teil verschossen, teilweise Auflösungserscheinungen. Mit letzten
Waffen über 20 Feindpanzer abgeschossen. An Westfront nur noch dünne, stützpunktartige Besetzungl hier auch nur
noch wenig schwere Waffen vorhanden. 76., 297., 29. mot. und 3.. Südfront und Stalingrader Front halten gegenüber
überlegenen Angriffen; Munition geht auch hier zu Ende. Widerstandskraft der Festung geht ihrem Ende entgegen.
23.01.1943 Aufgabe des Flugplatzes Stalingradski - Feldpostversorgung aus dem Kessel endet vollständig Siehe auch
Seite Zeitzeuge1 + 2 .Der Ausfllug der letzten Maschine ist durch die Ausage des Zeitzeugen Gefreiter Michael Deiml belegt. ( Bordmechaniker )
Nachdem der letzte Flugplatz im Kessel verlorengegangen war, brach die Luftversorgung endgültig zusammen. Zwei
Tage später gelang es der Sowjetarmee sogar, den Kessel zu spalten. Von geregelten militärischen Operationen konnte
von deutscher Seite schon lange nicht mehr die Rede sein. Die Armee im Sinne eines militärischen Kampfverbandes
hatte aufgehört zu bestehen, was jedoch nicht bedeutete, daß nicht bis zuletzt noch Befehle und Weisungen erteilt,
Hinrichtungen vollstreckt, Beförderungen eingereicht und bearbeitet, Funksprüche empfangen und abgesandt, Mannschaftsbestände errechnet wurden u.v.a.m.
Am Montag, dem 25. Januar 1943,
gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages bekannt: In Stalingrad heftet die 6. Armee in
heldenhaftem und aufopferndem Kampf gegen die erdrückende Übermacht unsterbliche Ehre an ihre Fahnen. Verbände
der rumänischen 20. Infanteriedivision und 1. Kavalleriedivision schlagen sich mit ihren deutschen Kameraden bis zum letzten und nehmen in vollem Maß an diesem Ruhm teil.
Tägliche Lagemeldung der 6. Armee an die Heeresgruppe Don:
24. Januar, Morgenmeldung: Im engeren Stadtgebiet grauenhafte Zustände. Etwa 20 000 unversorgte Verwundete
suchen in Häuserruinen Obdach; dazwischen etwa ebensoviel Ausgehungerte, Frostkranke und Versprengte, meist ohne Waffen.
Tagesmeldung: Bei Kämpfen um Stalingrad haben sich Verbände der rumänischen 1. Kavalleriedivision und rumänischen 20. Infanteriedivision Schulter an Schulter mit den deutschen Kameraden bis zuletzt hervorragend
geschlagen. Ihre Taten sind würdig, in der Geschichte dieses einmaligen Kampfes hervorgehoben zu werden.
25. Januar, Tagesmeldung: Starke Angriffe mit überlegener Artillerie und Panzern und schwächerer, nur zögernd
angreifender Infanterie. Westrand Stalingrad im wesentlichen gehalten; Vorstadt Minina verloren. XI. A.K. kämpft mit
noch wenig schweren Waffen, geringer Munition und ohne Verpflegung ... Stärkste feindliche Fliegerangriffe in
rollendem Einsatz auf gesamtes Stadtgebiet. Zahl der Verwundeten, Ausgehungerten und Versprengten wächst stündlich.
26/27.01.1943 Spaltung des Kessels wird vollzogen. Die 24. ID stellt den allgemeinen Dienstbetrieb ein und
vernichtete sämtliche Unterlagen.
Am Donnerstag, dem 28. Januar 1943, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages
bekannt: In Stalingrad ist der heroische Widerstand der Verteidiger ungebrochen. Anstürme der Sowjets gegen die Westund Südfront brachen unter schweren Verlusten für den Feind zusammen.
28.01.1943 Befehl zur Wiedervereinigung beider Kessel, scheiterte nach geringen Anfangserfolgen.
Der Divisionsstab zog jetzt in den Keller des Traktorenwerkes, da der alte DivGefStand nicht mehr zu halten war. Im
Traktorenwerk lagen noch Teile der 389. ID. und fast das gesamte XI. AK unter General S t r e c k e r, dem Verteidiger des Nordkessels.
Letzter Versorgungsflug mit HE 111 - Abwurf Versorgungsbombe.im Südteil des Kessels !
Tägliche Lagemeldung der 6. Armee an die Heeresgruppe Don:
28. Januar, Tagesmeldung: Nach starken Feindangriffen mit überlegener Artillerie und Salvengeschützen Zarizafront
westlich der Eisenbahn durchbrochen, nachdem dort Munition verschossen. Verpflegungslage zwingt dazu, Verwundeten und Kranken keine Verpflegung mehr auszugeben, damit die Kämpfer erhalten bleiben
30.01.1943 Am 10. Jahrestag der Machtergreifung Hitlers verkündet Göring in seiner "Leichenrede" den Untergang
der 6. Armee. Paulus wird zum Generalfeldmarschall befördert. Paulus verstand diese Beförderung so, wie sie gemeint war: als Aufforderung zum Selbstmord.
Ein einziges Mal nur ließ Paulus den bislang von ihm gewohnten Gehorsam vermissen: Er wählte nicht den Freitod, sondern den Weg in die Gefangenschaft. An den Übergabeverhandlungen mit sowjetischen
Offizieren beteiligte er sich allerdings nicht. Die Kapitulation überließ er den Offizieren seines Stabes. Nur vereinzelt wurden noch Versorgungsbomben abgeworfen, die oft auch noch bei den Russen landen.
Sogar noch nach der Gefangennahme fühlte sich Paulus an die Befehle Hitlers gebunden. Der Aufforderung der sowjetischen Armeeführung, den Kommandeuren kleinerer, noch immer kämpfender Kessel in Stalingrad die
Kapitulation zu befehlen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, kam er mit dem Hinweis, daß alle diese Einheiten nun Hitler persönlich unterstellt seien, nicht nach.
31.01.1943 Kapitulation Südteil des Kessels
a) Lage am 26.01.1943
IV-AK: 71. ID, 297. ID, 371 ID VIII AK 44.ID, 76. ID, 113 ID, 376 ID, 384 ID XIV-AK: 3. ID, 29. ID
LI-AK: 14. PD, 79. ID, 295 ID, 305 ID, 389 ID, 100 Jäg.-Div. General-Kdo- 6 Armee
b) Lage vom 28.01. bis 31.1.1943
VIII AK 44.ID, 76. ID, 113 ID, 376 ID, 384 ID LI-AK: 14. PD, 79. ID, 295 ID, 305 ID, 389 ID, 100 Jäg.-Div. General-Kdo- 6 Armee
Am Montag, dem 1. Februar 1943, gibt das Oberkommando der Wehrmacht zu den Ereignissen des Vortages bekannt: In Stalingrad ist die Südgruppe
der 6. Armee unter Führung des Generalfeldmarschalls Paulus nach mehr als zwei Monaten heldenhafter Verteidigung
von der Übermacht des Feindes im Kampf überwältigt worden. Die Nordgruppe unter Führung des Generals der Infanterie Strecker behauptet sich noch immer. Sie wehrt starke feindliche Angriffe zum Teil im Gegenstoß ab.
02.02.1943 Kapitulation Nordteil des Kessels
11 AK ( XI ) , 14 PD, 24 PD
03.02.1943: Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Der Kampf um Stalingrad ist zu Ende
Von den ca. 110.000 Soldaten, die in Gefangenschaft geraten, überlebten ca. 6000 Soldaten
die Schlacht um Stalingrad und die nachfolgende Gefangenschaft!
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